{"id":17774,"date":"2026-06-26T07:19:49","date_gmt":"2026-06-26T07:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergos.ch\/?p=17774"},"modified":"2026-06-26T10:46:02","modified_gmt":"2026-06-26T10:46:02","slug":"could-heaven-ever-be-like-this-eine-kleine-feldstudie-aus-zuerich-und-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bergos.ch\/de\/could-heaven-ever-be-like-this-eine-kleine-feldstudie-aus-zuerich-und-basel\/","title":{"rendered":"Could Heaven ever be like this? Eine kleine Feldstudie aus Z\u00fcrich und Basel"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1002\" height=\"1134\" src=\"https:\/\/www.bergos.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/McCarthy-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17776\" style=\"aspect-ratio:0.7500020330988493;width:529px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.bergos.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/McCarthy-1.jpg 1002w, https:\/\/www.bergos.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/McCarthy-1-265x300.jpg 265w, https:\/\/www.bergos.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/McCarthy-1-905x1024.jpg 905w, https:\/\/www.bergos.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/McCarthy-1-768x869.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1002px) 100vw, 1002px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunstwelt stand unter Schock. Kurz nach Venedig, kurz vor Basel, verk\u00fcndete die Pace Gallery den Abbau von rund f\u00fcnfzig Stellen und die Trennung von zahlreichen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern. Ausgerechnet Pace. Eine Galerie, die \u00fcber Jahrzehnte als Synonym f\u00fcr Expansion, Stabilit\u00e4t und globale Reichweite galt und zu den Big Four des internationalen Kunstmarktes z\u00e4hlt. Hatte man sich \u00fcbernommen? Waren die \u00fcberraschend starken Maiauktionen lediglich ein letztes Aufflackern vor der Abk\u00fchlung? Und vor allem: Wie geht es dem Kunstmarkt wirklich? Die Antwort liegt vielleicht dort, wo man sie am wenigsten spektakul\u00e4r vermutet: in der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend anderswo Krisen diagnostiziert werden, funktioniert hier seit Jahrzehnten ein bemerkenswert widerstandsf\u00e4higes System. Museen, Sammlungen, Galerien, K\u00fcnstler, Berater und Sammler greifen ineinander wie Zahnr\u00e4der eines pr\u00e4zis gebauten Uhrwerks. Harald Szeemann, Uli Sigg, Maja Hoffmann, Hans Ulrich Obrist, Ursula Hauser, Iwan Wirth, Bice Curiger, Bruno Bischofberger, Thomas Ammann oder Eva Presenhuber \u2013 die Liste der Schweizer Protagonisten liest sich wie ein Who&#8217;s Who der internationalen Kunstwelt. Dazu K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler wie Fischli\/Weiss, Dieter Roth, Pipilotti Rist, Urs Fischer, Not Vital und Ugo Rondinone. Mit Nicolas Party, Pamela Rosenkranz, Julian Charri\u00e8re, Claudia Comte und Marguerite Humeau steht bereits die n\u00e4chste Generation bereit. In der Schweiz werden Karrieren selten gemacht. Sie wachsen. Weniger Spekulation als Infrastruktur. Weniger Glamour als Kontinuit\u00e4t. Vielleicht sollte man deshalb weniger von Swissness sprechen als von Swiss Excellence. Die Schweiz exportiert nicht nur Kunst. Sie exportiert Substanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zurich<\/strong><strong> Art Weekend<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zurich Art Weekend bildet die Ouvert\u00fcre dieses Systems. Z\u00fcrich pr\u00e4sentierte sich in Bestform. Kompakt, elegant, international. Die drei Galeriencluster rund um das L\u00f6wenbr\u00e4u-Areal, die R\u00e4mistrasse und Wiedikon lassen sich mitsamt ihren Museen in zwei Tagen erschliessen. Was andernorts eine logistische Herausforderung w\u00e4re, wird hier zum Spaziergang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum steht weiterhin das L\u00f6wenbr\u00e4u-Areal, allen voran Hauser &amp; Wirth \u2013 aus einer Privatsammlung hervorgegangen, heute eine der einflussreichsten Galerien der Welt. Avery Singer verwandelte die Galerie im L\u00f6wenbr\u00e4u in eine Art Casino der Gegenwart. Schwere Vorh\u00e4nge, tiefroter Teppich und monumentale schwarz-weisse Portr\u00e4ts der Pokerspielerin Cate Hall. Singer trainiert KI-Modelle, erzeugt digitale Charaktere und \u00fcbersetzt diese in Malerei. Das klassische Selbstportr\u00e4t wird durch den Avatar ersetzt. Zwischen Algorithmus, Risiko und Selbstinszenierung entsteht ein Bild der K\u00fcnstlerin als Pokerspielerin der Gegenwart. Rosa Barba im Haus Konstruktiv und Mohamed Bourouissa im Migros Museum geh\u00f6rten zu den \u00fcberzeugendsten Ausstellungen des Wochenendes. Barba verdichtet Film, Sprache und Skulptur zu poetischen Raumgef\u00fcgen, w\u00e4hrend Bourouissa mit <em>Pour <\/em><em>Noubia<\/em> eine ebenso pers\u00f6nliche wie universelle Erz\u00e4hlung \u00fcber Migration, Erinnerung und Zugeh\u00f6rigkeit entwickelt. Steffi Hesslers <em>Re-Gift<\/em> im Luma Westbau, die Jubil\u00e4umsausstellung zum 40-j\u00e4hrigen Bestehen des Swiss Institute, untersuchte Schenken als kulturelle Praxis: Rituale, Gegenseitigkeit und jene sozialen, kulturellen, \u00f6konomischen und institutionellen Beziehungen, die jeder Gabe eingeschrieben sind. In der R\u00e4mistrasse zeigten sich weitere Resonanzr\u00e4ume: in Irma Blanks wortlosen Schriftbildern, Francis Al\u00ffs&#8216; poetischen Spielwelten und einer zarten, fast intimen Kabinettausstellung von Alina Szapocznikow bei Hauser &amp; Wirth. Ihre avantgardistischen Skulpturen wirken bis heute erstaunlich gegenw\u00e4rtig: feministisch, z\u00e4rtlich, verletzlich und von einer leisen Selbsterm\u00e4chtigung getragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann war da noch Ursula Hauser. Der Besuch ihrer Sammlung in Henau war einer jener seltenen Momente, in denen Kunst unmittelbar erfahrbar macht, was sich jeder Theorie entzieht. Besonders die Gegen\u00fcberstellung von Louise Bourgeois und Paul McCarthy entwickelte eine nahezu \u00fcberw\u00e4ltigende Kraft. Hier Bourgeois: psychologische Pr\u00e4zision, Erinnerung, Verletzlichkeit. Jede Form scheint aus einer biografischen Erfahrung hervorgegangen zu sein. Die monumentale Spinne kriecht aus der Ecke in den Raum \u2013 zugleich Mutterfigur und Monster, Schutzraum und Bedrohung. Eine der grossen Ikonen der Kunstgeschichte und bis heute zutiefst verst\u00f6rend. Bourgeois gelingt etwas Aussergew\u00f6hnliches: Sie macht das Innere sichtbar. Ihr gegen\u00fcber Paul McCarthy. Wo Bourgeois verdichtet, eskaliert McCarthy. Seine Welt ist bev\u00f6lkert von entgleisten M\u00e4rchenfiguren, grotesken Zwergen, Phallussymbolen und exzessiven K\u00f6rpern. Disney wird zum Albtraum. Das amerikanische Unterbewusstsein liegt offen auf dem Operationstisch. Die Arbeiten wirken wie zwei gegens\u00e4tzliche Antworten auf dieselben menschlichen Grundfragen. Fast wie ein ewiges Yin und Yang. Bourgeois verdichtet das Trauma, McCarthy entfesselt den Trieb. Das Weibliche erscheint als Erinnerung, F\u00fcrsorge und Verletzlichkeit, das M\u00e4nnliche als groteske \u00dcbersteigerung von Macht, Begehren und Penetration. Eine k\u00fcnstlerische Polarit\u00e4t \u2013 archaisch, zeitlos und von \u00fcberw\u00e4ltigender Kraft. Bourgeois arbeitet von innen nach aussen, McCarthy von aussen nach innen. Sie sucht Pr\u00e4zision, er \u00dcbertreibung. Sie analysiert das Trauma, er inszeniert den Trieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in dieser Gegen\u00fcberstellung entsteht etwas Seltenes: Kunstgeschichte wird nicht erkl\u00e4rt, sondern erfahrbar. Und genau darin liegt die St\u00e4rke dieser Sammlung. Man sp\u00fcrt in jedem Raum, dass hier nicht gesammelt wurde, um Kunstgeschichte abzubilden, sondern um K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, ihre Denkweisen und letztlich den Menschen besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die besten Sammlungen entstehen nicht am Reissbrett und selten aus Strategie. Sie entstehen aus radikaler Neugier. Aus Atelierbesuchen. Aus Gespr\u00e4chen. Aus dem Wunsch, Kunst nicht nur zu besitzen, sondern zu begreifen. Ursula Hauser ist daf\u00fcr der beste Beweis. Aus einem k\u00fcnstlerischen Forschergeist und einer aussergew\u00f6hnlichen Sammlung entstand nicht nur eine der bedeutendsten Privatsammlungen, sondern auch Hauser &amp; Wirth \u2013 heute eine der einflussreichsten Galerien der Welt. In gewisser Weise erz\u00e4hlt Henau damit auch die Geschichte des Schweizer Kunstsystems selbst. Aus der vermeintlichen Enge der Schweizer Provinz entwickelte sich ein globales Netzwerk \u2013 nicht durch Lautst\u00e4rke oder Geschwindigkeit, sondern durch Beharrlichkeit, Neugier und \u00fcber Jahrzehnte gewachsene Beziehungen. Wo fr\u00fcher Thomas Ammann oder Bruno Bischofberger den Markt pr\u00e4gten, stehen heute Ursula Hauser und Iwan Wirth f\u00fcr eine neue Form kulturellen Unternehmertums: global agierend, institutionell denkend und langfristig orientiert. Henau ist damit mehr als eine Privatsammlung. Es ist die Blaupause eines kulturellen Habitus, der den Schweizer Kunstbetrieb seit Jahrzehnten pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Art Basel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Montag beginnt traditionell mit <em>Unlimited<\/em>. Erstmals unter der Leitung von Ruba Katrib pr\u00e4sentierte sich die Sektion \u00fcberraschend diszipliniert. Weniger Spektakel, mehr Ausstellung. Weniger Event, mehr kuratorischer Rahmen. Das war nicht unbedingt schlecht, aber bemerkenswert. Die <em>Unlimited<\/em> galt lange als Ort des \u00dcbermasses: gr\u00f6sser, lauter, teurer. In diesem Jahr schien sie eher nach Orientierung zu suchen. Vielleicht wirkte sie damit wie die Kunstwelt selbst: etwas vorsichtiger, etwas kontrollierter, etwas weniger bereit zum Risiko. Oder anders gesagt: Selbst die Kunstwelt hat begonnen, wieder zu rechnen. Zu den st\u00e4rksten Beitr\u00e4gen geh\u00f6rten Philip-Lorca diCorcias <em>Hustlers<\/em>, deren Portr\u00e4ts m\u00e4nnlicher Sexarbeiter im Zeitalter von Plattform\u00f6konomie, Selbstdarstellung und permanenter Sichtbarkeit aktueller denn je wirken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matthew Barney zeigte einmal mehr jene monumentalen Bildwelten zwischen Mythologie, Ritual und K\u00f6rperlichkeit, die ihn zu einer Schl\u00fcsselfigur der 1990er-Jahre machten. Auch Peter Hujars Fotografien der New Yorker Downtown-Szene \u00fcberzeugten durch ihre stille Pr\u00e4zision und ihre unsentimentale N\u00e4he zu den Dargestellten. Ein H\u00f6hepunkt war die monumentale Pr\u00e4sentation von Oskar Schlemmer. Selten sieht man Bauhaus-Arbeiten in dieser Gr\u00f6ssenordnung. Gleichzeitig blieb ein ambivalenter Eindruck zur\u00fcck: erstaunlich frisch, erstaunlich pr\u00e4sent, erstaunlich markttauglich f\u00fcr eine Avantgarde, die bald hundert Jahre alt wird. Die Moderne als Neuauflage. Bemerkenswert war auch die R\u00fcckkehr von Vanessa Beecroft. Ihre Arbeiten wirken heute fast prophetisch. Themen wie Inszenierung, K\u00f6rperpolitik, Aufmerksamkeit und Selbstoptimierung, die einst provokativ erschienen, sind l\u00e4ngst zum visuellen Grundrauschen unserer Gegenwart geworden. Vielleicht war genau das das Thema dieser Unlimited: weniger Zukunft als R\u00fcckspiegel. Nach der <em>Unlimited<\/em> f\u00fchrt der Weg traditionell \u00fcber die <em>Liste.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach geht es zum Ap\u00e9ro. Es folgen die obligatorischen Dinner von Pace, Hauser &amp; Wirth, David Zwirner, White Cube und Co. Und irgendwann endet der Abend doch wieder im <em>Art Basel <\/em><em>Social<\/em><em> Club<\/em>. Unter dem Motto <em>Office<\/em> wurde ein leerstehendes UBS-Geb\u00e4ude zur vielleicht entspanntesten Adresse der Woche. Performances, DJs, Bars und improvisierte Begegnungen verschmelzen zu einem Parcours zwischen Ausstellung und Nachtleben. W\u00e4hrend \u00fcberall gekauft, verkauft und verhandelt wird, setzt der <em>Social<\/em><em> Club<\/em> die transaktionale Logik des Kunstmarktes f\u00fcr ein paar Stunden ausser Kraft. Vielleicht liegt genau darin sein Erfolg. Er wirkt wie die Erinnerung daran, dass Kunst einmal mit Freiheit begann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basel konnte pl\u00f6tzlich etwas, das lange nicht zu seinem Markenkern geh\u00f6rte: Coolness.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Messe selbst pr\u00e4sentierte sich in bestechender Form. Wer durch das Erdgeschoss lief, bekam eine Lektion in Marktvertrauen. Allein ein Dutzend Picassos waren zu sehen, dazu Gerhard Richter, Joan Mitchell, Louise Bourgeois, David Hockney, Henry Moore, Andy Warhol, Damien Hirst, Anish Kapoor, Christopher Wool, Thomas Struth, Andreas Gursky, Georg Baselitz und Thomas Sch\u00fctte. Die Qualit\u00e4t war aussergew\u00f6hnlich hoch, die Risikobereitschaft dagegen eher begrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kl\u00fcgste Innovation war ausgerechnet die einfachste. <em>Basel <\/em><em>Exclusive<\/em> machte Schluss mit der Gewohnheit, die besten Werke bereits Wochen vor der Messe per PDF und WhatsApp zu verschicken. Die eigentlichen Juwelen blieben bis zur Preview verborgen und wurden vor Ort eigens markiert. Der \u00dcberraschungsmoment war zur\u00fcck, und mit dem Gongschlag begann wieder die Troph\u00e4enjagd. Vielleicht mit etwas weniger Amerikanern als in fr\u00fcheren Jahren, daf\u00fcr mit auffallend vielen europ\u00e4ischen Sammlern, Kuratoren und Museumsdirektoren, die endlich auch bewusst den Markt durchmischten. Wo fr\u00fcher Distanz herrschte, entstehen heute produktive Allianzen und die alte Trennung zwischen Hochkultur und Luxuskonsum wird zunehmend obsolet. Nicht aus Opportunismus, sondern weil beide Seiten erkannt haben, dass kulturelle Relevanz und \u00f6konomische St\u00e4rke l\u00e4ngst keine Gegens\u00e4tze mehr sein m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber f\u00fcnf Prozent aller angebotenen Werke lagen oberhalb der Millionengrenze \u2013 deutlich mehr als in Paris oder Miami. Wer wissen m\u00f6chte, woran der Markt noch glaubt, muss nach Basel kommen. Gleichzeitig wurden die Blue-Chip-Namen zunehmend mit j\u00fcngeren Positionen kombiniert. Neben Picasso, Richter oder Warhol standen Pamela Rosenkranz, Anri Sala, Shilpa Gupta, Rirkrit Tiravanija oder Tarek Atoui. Die Botschaft war klar: Stabilit\u00e4t unten, Zukunft oben. Im Obergeschoss wurde die Luft entsprechend leichter. Olafur Eliasson, Ugo Rondinone, Sarah Lucas, Ai Weiwei, Shilpa Gupta oder Rirkrit Tiravanija brachten jene Experimentierfreude zur\u00fcck, die dem Erdgeschoss gelegentlich fehlt. Unten wurde Verm\u00f6gen verwaltet, oben wurden noch Wetten auf die Zukunft abgeschlossen. Die Stimmung war gut. Nicht euphorisch. Nicht rekordverd\u00e4chtig. Aber konzentriert. Die Verk\u00e4ufe liefen, die St\u00e4nde waren voll, die Gespr\u00e4che pr\u00e4zise. Und doch wurde zwischen den G\u00e4ngen immer wieder dieselbe Frage gestellt: Funktioniert das Modell Art Basel noch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00fcberzeugendsten Antworten kamen nicht von der Messe, sondern von den Institutionen. Allen voran Pierre Huyghe in der Fondation Beyeler. Selten hat mich eine Ausstellung so mitgenommen. Huyghe entwirft keine Zukunft. Er entwirft eine Welt nach dem Menschen. Schon der Ausstellungsraum wirkt wie ein fremdes \u00d6kosystem: zartorange gefiltertes Licht, ge\u00f6ffnete Deckenstrukturen, k\u00fcnstliche Organismen, die zu atmen scheinen. Ein Affe mit menschlicher Maske durchstreift rastlos ein verlassenes Labor in Fukushima. Eine schwarz gekleidete Figur mit goldenem, an Brancusi erinnerndem Kopf bewegt sich lautlos durch die R\u00e4ume und st\u00f6sst T\u00f6ne aus, die irgendwo zwischen Mensch, Maschine und Tier oszillieren.&nbsp; Die Atmosph\u00e4re ist hypnotisch, sch\u00f6n und zutiefst verst\u00f6rend. Huyghe entwirft kein Science-Fiction-Szenario, sondern ein Memento mori f\u00fcr das Anthropoz\u00e4n. Eine Welt, in der andere Intelligenzen l\u00e4ngst begonnen haben, die B\u00fchne zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht die Ausstellung der Woche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und als w\u00e4re das nicht genug, wollte Basel in diesem Jahr pl\u00f6tzlich auch noch etwas Berghain sein. Der Schweizer K\u00fcnstler Julian Charri\u00e8re entwickelte gemeinsam mit Thomas Bangalter, einer H\u00e4lfte von <em>Daft Punk<\/em>, und Rampa von <em>Keinemusik<\/em><em> <\/em>das Projekt <em>Warehouse <\/em><em>Artefacts<\/em>: ein dekonstruiertes Dancefloor-Environment zwischen Installation, Clubkultur und kollektiver Erinnerung. Aus der Ausstellung wurde ein Rave, aus dem Rave eine der begehrtesten Einladungen des Basel Wochenendes. Art Basel, Fondation Beyeler und Nordstern zogen dabei erstaunlich selbstverst\u00e4ndlich an einem Strang. Kunst, Musik und Nachtleben verschmolzen zu einem Ereignis, das man eher in Berlin, Paris oder New York erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht war genau das das Paradox dieser Woche. Je \u00fcberzeugender Basel Kuratoren, Milliard\u00e4re, Boomer und Zoomer zugleich begeisterte, desto intensiver wurde \u00fcber seine Zukunft diskutiert. Denn hinter den Rekordverk\u00e4ufen und dem gesellschaftlichen Glanz wurde gleichzeitig eine bemerkenswerte Debatte gef\u00fchrt. Ausgerechnet Marc Spiegler, langj\u00e4hriger Direktor der Art Basel und einer ihrer Architekten, stellte in einem viel diskutierten Essay in der New York Times die Frage, ob das globale Galeriemodell an seine Grenzen gelangt sei. Zu viele Messen. Zu hohe Kosten. Zu wenige neue Sammler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist dabei, dass diese Diskussion ausgerechnet in Basel gef\u00fchrt wurde. Denn die Messe selbst liefert gleichzeitig das st\u00e4rkste Gegenargument. Nirgendwo sonst versammeln sich innerhalb weniger Tage derart viele bedeutende Werke, Institutionen, Sammler, Kuratoren, K\u00fcnstler und Marktteilnehmer an einem Ort. Nirgendwo sonst werden h\u00f6here Preise erzielt. Nirgendwo sonst ist die Konzentration von Qualit\u00e4t vergleichbar. W\u00e4hrend Marc Spiegler die Logik permanenter Expansion inzwischen kritisch hinterfragt, treiben Noah Horowitz und Maike Cruse die Marke weiter voran. Nach Paris folgte in diesem Jahr Art Basel Qatar. Die Debatte erh\u00e4lt dadurch eine gewisse Ironie: Ausgerechnet einer der Architekten der globalen Expansion warnt heute vor ihren Grenzen. Die Frage lautet also nicht nur, ob das Modell funktioniert. Die Frage lautet auch, wie gross es noch werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt die Zukunft tats\u00e4chlich st\u00e4rker in lokalen Netzwerken. Basel liefert daf\u00fcr das \u00fcberzeugendste Argument. Die Messe ist im Kern ein zutiefst glokales Ph\u00e4nomen: global in ihrer Reichweite, lokal in ihrer Verankerung. Gerade darin liegt ihr Erfolgsgeheimnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basel ist nicht die gr\u00f6sste Stadt. Nicht die glamour\u00f6seste. Nicht die lauteste. Und doch gelingt es ihr Jahr f\u00fcr Jahr, f\u00fcr eine Woche zum Zentrum der Kunstwelt zu werden. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis. Nicht im Spektakel, sondern in der geduldigen Akkumulation von Qualit\u00e4t. In Beharrlichkeit statt Beschleunigung. In Vertrauen statt Hype.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man spricht oft von Swissness. Vielleicht w\u00e4re Swiss Excellence der treffendere Begriff. Die Art Basel b\u00fcndelt all das: Museal genug f\u00fcr Picasso. Experimentell genug f\u00fcr Pierre Huyghe. L\u00e4ssig genug f\u00fcr einen Rave mit Julian Charri\u00e8re, Thomas Bangalter und Rampa. Und die Zahlen sprechen f\u00fcr sich. Nirgendwo sonst werden regelm\u00e4ssig h\u00f6here Preise erzielt als in Basel. Nicht weil die Messe die lauteste ist, sondern weil hier \u00fcber Jahrzehnte etwas entstanden ist, das sich nicht beschleunigen l\u00e4sst: Vertrauen. Beharrlichkeit. Qualit\u00e4t. Substanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Schlaraffenland. <em>Could<\/em><em> Heaven <\/em><em>Ever<\/em><em> Be Like This?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Marie-Kathrin Krimphoff und Carolyn Stocker-Seiler<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunstwelt stand unter Schock. Kurz nach Venedig, kurz vor Basel, verk\u00fcndete die Pace Gallery den Abbau von rund f\u00fcnfzig Stellen und die Trennung von zahlreichen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern. Ausgerechnet Pace. Eine Galerie, die \u00fcber Jahrzehnte als Synonym f\u00fcr Expansion, Stabilit\u00e4t und globale Reichweite galt und zu den Big Four des internationalen Kunstmarktes z\u00e4hlt. 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Eine kleine Feldstudie aus Z\u00fcrich und Basel - Bergos<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Vom Zurich Art Weekend bis zur Art Basel 2026: Wir analysieren Marktstimmung, Ausstellungshighlights und die Rolle der Schweiz als widerstandsf\u00e4higes Zentrum des globalen Kunstmarkts.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.bergos.ch\/de\/could-heaven-ever-be-like-this-eine-kleine-feldstudie-aus-zuerich-und-basel\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bergos Art Consult Newsletter #6 2026\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"W\u00e4hrend die Zukunft des globalen Galeriemodells zunehmend diskutiert wird, liefert die Art Basel 2026 ein aufschlussreiches Bild des Kunstmarkts. 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