{"id":18197,"date":"2026-10-19T10:34:29","date_gmt":"2026-10-19T10:34:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergos.ch\/?p=18197"},"modified":"2026-10-19T10:34:33","modified_gmt":"2026-10-19T10:34:33","slug":"us-midterms-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bergos.ch\/de\/us-midterms-2026\/","title":{"rendered":"US-MIDTERMS 2026"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">PERSPEKTIVEN F\u00dcR WIRTSCHAFT UND FINANZM\u00c4RKTE<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>OKTOBER 2026 <em>\u00b7\u00a0<\/em>SPEZIALAUSGABE<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>DAS WICHTIGSTE IN K\u00dcRZE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kurz vor den US-Zwischenwahlen steht die amerikanische Wirtschaft erstaunlich gut da. Wenig zu sehen ist bisher vom Einbruch des Wachstums, den manche Analysten f\u00fcr den Fall erwartet hatten, dass Donald Trump seine radikalen handels- und migrationspolitischen Vorhaben in die Tat umsetzen w\u00fcrde. Die Trump-Regierung profitiert dabei nat\u00fcrlich vom Boom im KI-Sektor, der die Folgen mancher wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen kompensiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Trotz des soliden Wachstums leidet die amerikanische Bev\u00f6lkerung unter der anhaltend hohen Inflation. Die Teuerung trifft insbesondere die \u00e4rmeren Amerikaner mit hoher Konsumquote, von denen einige grosse Hoffnungen in Donald Trump gesetzt hatten. Trumps Zollpolitik und der von Trump initiierte Krieg im Mittleren Osten treiben die Inflation massgeblich.<\/li>\n\n\n\n<li>In diesem gesamtwirtschaftlichen Umfeld deuten aktuelle Prognosen auf eine deutliche Verschiebung der politischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse hin. Die Demokratische Partei k\u00f6nnte im US-Kongress sowohl das Repr\u00e4sentantenhaus als auch den Senat erobern.<\/li>\n\n\n\n<li>Sollte die Demokratische Partei die Kontrolle sowohl \u00fcber das Repr\u00e4sentantenhaus als auch \u00fcber den Senat \u00fcbernehmen, w\u00fcrde sie die gesamte Agenda des Kongresses bestimmen, einschliesslich der Vorsitzenden aller Aussch\u00fcsse sowie deren Tagesordnungen, politischer Anh\u00f6rungen und Schwerpunkte. Dies w\u00fcrde zu zahlreichen kontroversen Ausschuss anh\u00f6rungen und Schlagzeilen in den Medien f\u00fchren, jedoch zu keinen bedeutenden Gesetzesinitiativen, da die Trump-Regierung \u00fcber ein Vetorecht verf\u00fcgt.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein von den Demokraten kontrollierter Kongress d\u00fcrfte die Befugnisse des Pr\u00e4sidenten in zentralen Politikbereichen zunehmend infrage stellen. Im Fokus st\u00fcnden insbesondere seine Kompetenzen zur Kriegsf\u00fchrung und deren Finanzierung, die rechtlichen Grundlagen der Zollpolitik sowie Massnahmen der restriktiven Einwanderungspolitik (insbesondere ICE). Zudem k\u00f6nnte der Kongress versuchen, bestimmte vom Pr\u00e4sidenten veranlasste Ausgaben r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Kapitalm\u00e4rkte gehen in einer ungew\u00f6hnlichen Verfassung in die Wahl. Aktien notieren nahe ihrem Rekordhoch, die Renditen sind so hoch wie seit \u00fcber zwei Jahrzehnten nicht mehr und der Goldpreis liegt deutlich unter seinem Jahreshoch.<\/li>\n\n\n\n<li>Historisch verlief der US-Aktienmarkt vom Sp\u00e4tsommer bis Anfang Oktober meist holprig. Mit der Wahl fiel dann die gesetzgeberische Unsicherheit weg, die Volatilit\u00e4t liess bis zum Jahresende deutlich nach, und es setzte eine Rally ein, die oft bis ins Fr\u00fchjahr anhielt. Das Wahlergebnis selbst spielte dabei eine Nebenrolle. Auch in diesem Jahr d\u00fcrften f\u00fcr die M\u00e4rkte Inflation, Geldpolitik, die Verfassung der US-Wirtschaft und die Unternehmensgewinne entscheidend bleiben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ZWISCHENWAHLEN NACH TURBULENTER ERSTER H\u00c4LFTE<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DR. J\u00d6RN QUITZAU \u00b7 CHEF\u00d6KONOM BERGOS PRIVATBANK<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Donald Trumps zweite Pr\u00e4sidentschaft n\u00e4hert sich der Halbzeit. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 h\u00e4lt der US-Pr\u00e4sident die Welt mit Kapriolen aller Art in Atem. Er hat die internationale Ordnung durchger\u00fcttelt und Gewissheiten bei Verb\u00fcndeten und Gegnern ersch\u00fcttert. Die USA, der Garant f\u00fcr die Sicherheit des Westens und tragende S\u00e4ule der internationalen Wirtschaftsordnung, sind unter Trump zu einem unberechenbaren Akteur geworden. Deshalb sind die Zwischenwahlen am 3. November 2026 weit mehr als ein innenpolitisches Ereignis. Auch in Europa und in anderen Teilen der Welt wird aufmerksam verfolgt, welche Richtung die amerikanische Politik l\u00e4ngerfristig wohl einschlagen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig vom Wahlergebnis der Zwischenwahlen ist die R\u00fcckkehr zur politischen Mitte selbst auf lange Sicht nicht wahrscheinlich. Aufgrund der polarisierten Gesellschaft besteht die M\u00f6glichkeit, dass das Pendel sp\u00e4testens bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl 2028 wieder deutlich in die andere Richtung ausschl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Donald Trumps politischer Aufstieg war nur m\u00f6glich, weil sich zuvor ein politisch-gesellschaftlicher Zeitgeist (\u00abIdentit\u00e4tspolitik\u00bb) herausgebildet hatte, der einem erheblichen Teil der amerikanischen Gesellschaft und deren Lebensf\u00fchrung widersprach. Trump verschaffte diesem Teil der Gesellschaft politisches Geh\u00f6r und stellte mit seinem \u00abMake America Great Again\u00bb-Ansatz insbesondere vielen wirtschaftlich abgeh\u00e4ngten Amerikanern eine bessere oder gar rosige Zukunft in Aussicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>US-Wirtschaft pr\u00e4sentiert sich widerstandsf\u00e4hig<\/strong><br>Mit Blick auf die makro\u00f6konomischen Daten stehen die USA tats\u00e4chlich erstaunlich gut da. Die erreichten Wachstumsraten von zwei Prozent und mehr entsprechen ungef\u00e4hr dem Potenzial der amerikanischen Volkswirtschaft. Wenig zu sehen ist bisher vom Einbruch des Wachstums, den manche Analysten f\u00fcr den Fall erwartet hatten, dass Donald Trump seine radikalen handelsund migrationspolitischen Vorhaben in die Tat umsetzen w\u00fcrde. Die TrumpRegierung profitiert dabei nat\u00fcrlich vom Boom im KI-Sektor, der die Folgen mancher wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen kompensiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn das Wirtschaftswachstum sehr solide ist, leidet die amerikanische Bev\u00f6lkerung unter den anhaltend hohen Inflationsraten. Die Inflation trifft insbesondere die \u00e4rmeren Amerikaner mit hoher Konsumquote, von denen einige grosse Hoffnungen in Donald Trump gesetzt hatten. Die starke Teuerung ist massgeblich auf die Zollpolitik und den von Trump initiierten Krieg im Mittleren Osten zur\u00fcckzuf\u00fchren. Auch die W\u00e4hler sehen mehrheitlich den US-Pr\u00e4sidenten als Mitverursacher der gestiegenen Preise. Eine aktuelle Reuters\/ Ipsos-Umfrage zeigt, dass \u00fcber die Parteigrenzen hinweg 78 Prozent der befragten Amerikaner Trumps Politik f\u00fcr steigende Lebenshaltungskosten mitverantwortlich machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Politische Unruhe geht weiter<\/strong><br>In dieser Gemengelage orientieren sich viele W\u00e4hler abermals neu. Dabei ist unklar, in welche Richtung der politische Zug \u00fcber die \u00abMidterms\u00bb hinaus weiterfahren wird. Die Republikaner unter Donald Trump sind keine gute Wahloption mehr f\u00fcr konservative B\u00fcrger, denen Eigenschaften wie Bodenst\u00e4ndigkeit, Zuverl\u00e4ssigkeit und Seriosit\u00e4t der politischen Entscheidungstr\u00e4ger wichtig sind. Zudem hat die Pr\u00e4sidentschaft Donald Trumps weiter zur Polarisierung beigetragen und bisher nicht dazu gef\u00fchrt, dass die Demokraten in die Mitte des politischen Spektrums zur\u00fcckgekehrt sind. Mit Alexandria Ocasio-Cortez hat eine Vertreterin des linken Parteifl\u00fcgels aktuell gute Aussichten f\u00fcr eine Pr\u00e4sidentschaftskandidatur 2028. Derzeit stehen ihre Chancen etwas besser als die der etwas moderateren Jon Ossoff und Gavin Newsom.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die starke Polarisierung der Politik f\u00fchrt dazu, dass die wirtschaftspolitischen Richtungswechsel abrupter ausfallen. Die Zeiten der \u00abruhigen Hand\u00bb sind vorbei. Wirtschaftspolitische Sprunghaftigkeit pr\u00e4gt in gewisser Weise die neue Normalit\u00e4t, auch weil die geopolitische Lage heutzutage andere Massnahmen erfordert als noch vor wenigen Jahren. Dies gilt f\u00fcr die USA, aber auch f\u00fcr viele andere Industrienationen. Deshalb ist absehbar: Der Ausgang der \u00abMidterms\u00bb mag den amtierenden US-Pr\u00e4sidenten etwas einhegen, Ruhe wird dadurch aber gewiss nicht einkehren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VERSCHIEBUNG DER POLITISCHEN MEHRHEITSVERH\u00c4LTNISSE<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DR. MICKEY D. LEVY \u00b7 EXTERNER BERATER \/ US-\u00d6KONOM UND GASTWISSENSCHAFTLER AN DER HOOVER INSTITUTION<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 3. November w\u00e4hlen die USA einen neuen Kongress. Zur Wahl stehen alle 435 Sitze im Repr\u00e4sentantenhaus sowie 35 der 100 Sitze im Senat. Derzeit kontrollieren die Republikaner von Pr\u00e4sident Trump beide Kammern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aktuelle Prognosen deuten auf eine deutliche Verschiebung der politischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse hin. Die Demokratische Partei k\u00f6nnte im US-Kongress sowohl das Repr\u00e4sentantenhaus als auch den Senat erobern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Wahrscheinlichkeiten und die zunehmende Erwartung eines Erdrutschsiegs der Demokratischen Partei spiegeln mehrere Faktoren wider: den anhaltenden R\u00fcckgang der Zustimmungswerte von Pr\u00e4sident Trump, die wachsende Ablehnung des Krieges gegen den Iran, den damit verbundenen Anstieg der Benzin- und Energiepreise, die allgemein gestiegenen Preise f\u00fcr Waren und Dienstleistungen sowie die negative \u00f6ffentliche Meinung zu Z\u00f6llen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es dreht sich alles um die negative Stimmung gegen\u00fcber Trump und dessen Politik sowie um das Festhalten der republikanischen Kandidaten an Trump, um die \u00fcberraschend aufkommende St\u00e4rke der radikalen Linken (Democratic Socialists of America) und um das Fehlen jeglicher Reaktion seitens der etablierten Demokratischen Partei, der es an F\u00fchrung mangelt und die v\u00f6llig zerrissen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hier die Wahrscheinlichkeiten zweier wichtiger Prognoseplattformen vom 16. Oktober 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Polymarket<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sieg der Demokratischen Partei sowohl im Repr\u00e4sentantenhaus als auch im Senat: 63 % (Mitte Juli lag dieser Wert noch bei 45 %)<\/li>\n\n\n\n<li>Republikaner behalten die Mehrheit im Senat, Demokraten gewinnen das Repr\u00e4sentantenhaus: 28 %<\/li>\n\n\n\n<li>Sieg der Republikaner sowohl im Repr\u00e4sentantenhaus als auch im Senat: 9 %<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kalshi<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sieg der Demokraten im Repr\u00e4sentantenhaus und im Senat: 61 %<\/li>\n\n\n\n<li>Republikaner behalten die Mehrheit im Senat, Demokraten gewinnen das Repr\u00e4sentantenhaus: 30 %<\/li>\n\n\n\n<li>Sieg der Republikaner sowohl im Repr\u00e4sentantenhaus als auch im Senat: 9 %<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weitreichende Folgen bei Erdrutschsieg der Demokraten<\/strong><br>Sollte die Demokratische Partei die Kontrolle sowohl \u00fcber das Repr\u00e4sentantenhaus als auch \u00fcber den Senat \u00fcbernehmen, w\u00fcrde sie die gesamte Agenda des Kongresses bestimmen, einschliesslich der Vorsitzenden aller Aussch\u00fcsse sowie deren Tagesordnungen, politischer Anh\u00f6rungen und Schwerpunkte. Dies w\u00fcrde zu zahlreichen kontroversen Ausschussanh\u00f6rungen und Schlagzeilen in den Medien f\u00fchren, jedoch zu keinen bedeutenden Gesetzesinitiativen, da die Trump-Regierung \u00fcber ein Vetorecht verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Trump-Regierung weiterhin ihre weitreichenden Exekutivbefugnisse nutzen wird, um Aussenpolitik, Regulierungsmassnahmen (ein schliesslich der Energiepolitik), Z\u00f6lle, Einwanderung, die Zulassung und Regulierung von Arzneimitteln durch die FDA zu steuern und umzusetzen, wird die Trump-Regierung durch den von den Demokraten gef\u00fchrten Kongress gezwungen, einige ihrer politischen Massnahmen abzuschw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein von der Demokratischen Partei kontrollierter Kongress wird die eigenst\u00e4ndige Befugnis des Pr\u00e4sidenten in vielen Politikbereichen in Frage stellen, darunter Kriegsbefugnisse (und Kriegsausgaben), die Rechtsgrundlage und Grenzen von Z\u00f6llen sowie ausgew\u00e4hlte Aspekte der restriktiven Einwanderungspolitik (insbesondere ICE). Anh\u00f6- rungen werden sich zudem darauf konzentrieren, Verfehlungen der TrumpRegierung aufzudecken und gezielte \u00c4nderungen zu erzwingen, einschliesslich der R\u00fccknahme bestimmter politischer Massnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Erstens k\u00f6nnten die 12 Haushaltsaussch\u00fcsse im Repr\u00e4sentantenhaus daf\u00fcr votieren, bestimmte Haushaltsmittel zu k\u00fcrzen (beispielsweise bei den Verteidigungsausgaben); dies w\u00fcrde zu Engp\u00e4ssen im Haushaltsverfahren f\u00fchren und die Struktur der diskretion\u00e4ren Ausgaben beeinflussen. Dabei ist zu beachten, dass dies keine Auswirkungen auf die Ausgaben f\u00fcr Sozialleistungsprogramme wie Sozialversicherung, Medicaid und das SNAP-Programm sowie auf die Nettozinsausgaben zur Bedienung der Staatsschulden hat; die Ausgaben f\u00fcr Sozialleistungen erfolgen automatisch und bed\u00fcrfen keiner j\u00e4hrlichen Abstimmung zur Genehmigung. Zweitens k\u00f6nnte der Kongress versuchen, bestimmte vom Pr\u00e4sidenten angeordnete Ausgaben nachtr\u00e4glich zu streichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Erdrutschsieg der Demokraten mit einer Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses w\u00fcrde die legislative Agenda der Trump-Regierung zum Erliegen bringen und sie dazu zwingen, sich noch st\u00e4rker auf Exekutivmassnahmen zu st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kriegsbefugnisse:<\/strong> Die Kontrolle \u00fcber den Ausschuss f\u00fcr Streitkr\u00e4fte und den Ausschuss f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten ist von grosser Bedeutung. Die Demokraten w\u00fcrden Trumps rechtliche Befugnisse, Krieg zu f\u00fchren, Mittel zur Kriegsfinanzierung bereitzustellen etc., in Frage stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einwanderung:<\/strong> Die Demokraten w\u00e4ren in der Lage, Trumps harte Einwanderungspolitik genau unter die Lupe zu nehmen und einzuschr\u00e4nken. Dieser Kampf k\u00f6nnte sich auf vielen Ebenen abspielen. Es handelt sich um ein vielschichtiges Thema, das unter anderem wirtschaftliche, arbeitsmarktpolitische und soziale Aspekte umfasst und \u00e4usserst umstritten ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Z\u00f6lle:<\/strong> Trump hat seine Zollpolitik mittels Exekutivverordnungen umgesetzt, doch die Kontrolle durch den Kongress k\u00f6nnte Druck auf die Regierung aus\u00fcben. In Anh\u00f6rungen des Kongresses k\u00f6nnte aufgezeigt werden, inwiefern Z\u00f6lle der Wirtschaft, kleinen Unternehmen, Verbrauchern usw. schaden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Haushalt:<\/strong> Der Kongress hat die Kontrolle \u00fcber den Haushalt und die Verwendung der Mittel. Die Kontrolle \u00fcber die Haushaltsaussch\u00fcsse des Repr\u00e4sentantenhauses und des Senats sowie \u00fcber die zw\u00f6lf Haushaltsaussch\u00fcsse im Repr\u00e4sentantenhaus verschafft dem Kongress grossen Einfluss in Haushaltsfragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Signale f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2028 und politische Konsequenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Blick auf die Zukunft: Sollte die Demokratische Partei eine entscheidende Mehrheit im Senat erringen (wo die Amtszeit sechs Jahre betr\u00e4gt), k\u00f6nnte dies Schwung f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2028 verleihen und m\u00f6glicherweise zu tiefgreifenden politischen Ver\u00e4nderungen im Jahr 2029 f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt jedoch viele Unsicherheiten. Dazu z\u00e4hlt der Machtkampf zwischen der traditionellen Demokratischen Partei und den linksradikalen Progressiven. Abgesehen davon, dass die traditionelle Demokratische Partei derzeit in Unordnung ist und keine klare F\u00fchrung hat, w\u00e4hrend die linksradikalen Progressiven mit ihrem wirtschaftssch\u00e4dlichen Programm an St\u00e4rke gewonnen haben, sind die meisten inhaltlichen Diskussionspunkte spekulativ.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Unsicherheit ist die Spaltung innerhalb der Republikanischen Partei. Auf der einen Seite stehen die traditionellen Konservativen, dietendenziell weniger staatliche Eingriffe sowie ein st\u00e4rkeres Vertrauen in die M\u00e4rkte und den Kapitalismus bef\u00fcrworten. Auf der anderen Seite steht Trumps \u00abMAGA\u00bb-Bewegung, deren Politik st\u00e4rker auf extremem Nationalismus (einschliesslich wirtschaftlichem Protektionismus), Einwanderungsbeschr\u00e4nkungen und strengeren Grenzkontrollen basiert und weniger auf Marktwirtschaft (und Kapitalismus). Dieser Fl\u00fcgel f\u00f6rdert selektive, umfassende staatliche Interventionen (einschliesslich staatlicher Investitionspolitik).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst wenn die Macht zwischen den Parteien aufgeteilt ist \u2013 wobei die Demokraten den Kongress und die Republikaner die Exekutive kontrollieren \u2013, k\u00f6nnte eine deutliche Verschiebung der Machtverh\u00e4ltnisse auf Ebene der Landesregierungen zu erheblichen politischen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren, die sich auf die Wirtschaft auswirken k\u00f6nnen. Im f\u00f6deralistischen System der USA sind Umfang und Reichweite der Landes- und Kommunalregierungen im Vergleich zur Bundesregierung in Bezug auf Ausgaben und Steuern, Regulierung und andere Bereiche recht gross.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derzeit gibt es 26 republikanische Gouverneure und 24 Gouverneure der Demokratischen Partei, und in 36 Bundesstaaten finden Gouverneurswahlen statt. Im Allgemeinen deuten die Umfragen darauf hin, dass die erwarteten Ergebnisse zugunsten der demokratischen Kandidaten ausfallen d\u00fcrften. Zwar m\u00fcssen die Bundesstaaten laut Gesetz ausgeglichene Haushaltspl\u00e4ne vorweisen, doch gibt es gen\u00fcgend Spielraum (einschliesslich Defizitausgaben f\u00fcr Investitionsvorhaben sowie der Befugnis zur Erhebung von Steuern und zur Mittelverwendung), um erhebliche Unterschiede in der Finanzpolitik sowie unterschiedliche Ans\u00e4tze bei der Regulierung, der Energiepolitik usw. zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WAS DIE ZWISCHENWAHLEN F\u00dcR DIE KAPITALM\u00c4RKTE BEDEUTEN<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">TILL C. BUDELMANN \u00b7 CIO BERGOS PRIVATBANK<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kapitalm\u00e4rkte gehen in einer ungew\u00f6hnlichen Verfassung in die Wahl: Aktien notieren nahe ihrem Rekordhoch, die Renditen sind so hoch wie seit \u00fcber zwei Jahrzehnten nicht mehr und der Goldpreis liegt deutlich unter seinem Jahreshoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AKTIEN<br>Die Rally kommt meist nach der Wahl<\/strong><br>Zwischenwahljahre z\u00e4hlen eigentlich zu den schw\u00e4cheren B\u00f6rsenjahren. Dass der US-Aktienmarkt derzeit nahe seinem Allzeithoch notiert, ist daher untypisch. Historisch verlief der Markt vom Sp\u00e4tsommer bis Anfang Oktober meist holprig. Mit der Wahl fiel dann die gesetzgeberische Unsicherheit weg, die Volatilit\u00e4t liess bis zum Jahresende deutlich nach, und es setzte eine Rally ein, die oft bis ins Fr\u00fchjahr anhielt. Im Schnitt brachte sie einen zweistelligen Zuwachs, deutlich mehr als in anderen Jahren. Das Wahlergebnis selbst spielte dabei eine Nebenrolle. Auch in diesem Jahr d\u00fcrften f\u00fcr die M\u00e4rkte Inflation, Geldpolitik, die Verfassung der US-Wirtschaft und die Unternehmens gewinne entscheidend bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gr\u00f6sser als der Effekt auf den Gesamtmarkt d\u00fcrften die Unterschiede zwischen den Branchen ausfallen. Sinkende Renditen von US-Staatsanleihen w\u00fcrden vor allem Wachstumswerte aus den Bereichen Technologie, Kommunikation und zyklische Konsumg\u00fcter sowie Nebenwerte st\u00fctzen, da k\u00fcnftige Gewinne dadurch attraktiver erscheinen. Die Industrie d\u00fcrfte weiterhin von bereits beschlossenen Investitionsanreizen profitieren, auch wenn ausbleibende neue Gesetze die fiskalpolitische Unterst\u00fctzung begrenzen. Bei Energie- und Verteidigungsunternehmen geben dagegen eher Aussenpolitik und Geopolitik den Ausschlag als die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Kongress.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ANLEIHEN<br>Stillstand ist nicht gleich Sparsamkeit<\/strong><br>Zehnj\u00e4hrige US-Staatsanleihen rentieren mit rund 5,2 Prozent, nahe dem h\u00f6chsten Stand seit 2002 (Stand: 12. Oktober). Die Fed hat im September die Leitzinsen erstmals seit 2023 angehoben und tagt Ende Oktober erneut. Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit, k\u00f6nnte das den Anleihemarkt zun\u00e4chst entlasten, weil schuldenfinanzierte Pakete schwieriger durchzusetzen w\u00e4ren. Politischer Stillstand bedeutet aber keine Haushaltsdisziplin: Mitte 2027 d\u00fcrfte die Schuldenobergrenze erreicht sein, und ein Kompromiss k\u00f6nnte das Defizit Sch\u00e4tzungen zufolge um rund 1 Prozent des BIP ausweiten. Anleger k\u00f6nnten dann eine h\u00f6here Laufzeitpr\u00e4mie verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GOLD<br>Zinsen wiegen schwerer als Politik<\/strong><br>Auch beim Gold wirkt die Wahl nur indirekt. Derzeit belasten vor allem steigende Renditen und ein festerer Dollar den Preis, weniger die Politik. Die Fiskalpolitik spielt dennoch eine Rolle, und zwar in beide Richtungen. Streit um Haushalt und Schuldenobergrenze kann Zweifel an der Tragf\u00e4higkeit der USStaatsverschuldung wecken und Gold als Alternative zu Staatsanleihen st\u00fctzen. Ein Gesamtsieg f\u00fcr die Demokraten im Senat und Repr\u00e4sentantenhaus kann aber auch neue Defizite bremsen, was diesem Argument die Kraft nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Kanal f\u00fchrt \u00fcber die Notenbank. Der Senat best\u00e4tigt die Mitglieder des Fed-Boards. Wer ihn kontrolliert, bestimmt also mit, wie stark das Weisse Haus die Geldpolitik pr\u00e4gen kann. Eine Fed, deren Unabh\u00e4ngigkeit gewahrt bleibt, spricht tendenziell gegen Gold. Wachsen dagegen Zweifel an ihrer Unabh\u00e4ngigkeit, d\u00fcrfte das den Goldpreis eher st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00c4HRUNGEN<br>Zinsen und Wachstum bestimmen den Dollar<br><\/strong>Bei Donald Trumps Wahlsieg im November 2024 lag EUR\/USD bei rund 1,09. Nach einer l\u00e4ngeren Schw\u00e4chephase hat der US-Dollar in den vergangenen Monaten deutlich aufgewertet, vor allem wegen des ver\u00e4nderten Zinsumfelds und h\u00f6herer Zinserwartungen in den USA. Trump d\u00fcrfte sich weiterhin f\u00fcr einen schw\u00e4cheren Dollar einsetzen, da dieser US-Exporte verbilligt, Importe verteuert und der heimischen Industrie Wettbewerbsvorteile verschafft. Entscheidend f\u00fcr den Dollar wird jedoch sein, wie sich die US-Zinserwartungen und die Wachstumsaussichten der amerikanischen Wirtschaft entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FAZIT<\/strong><br>Die Zwischenwahlen d\u00fcrften weniger die Richtung der US-Politik ver\u00e4ndern als die Reibung in Washington erh\u00f6hen. Das wahrscheinlichste Ergebnis, ein Erfolg der Demokraten, ist weitgehend eingepreist. Am st\u00e4rksten w\u00fcrde ein republikanischer \u00dcberraschungserfolg die M\u00e4rkte bewegen. F\u00fcr Aktien spricht die Historie f\u00fcr die Zeit nach der Wahl; bei Anleihen und Gold bleiben Fed,Inflation und Defizit die gr\u00f6sseren Treiber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PERSPEKTIVEN F\u00dcR WIRTSCHAFT UND FINANZM\u00c4RKTE OKTOBER 2026 \u00b7\u00a0SPEZIALAUSGABE DAS WICHTIGSTE IN K\u00dcRZE ZWISCHENWAHLEN NACH TURBULENTER ERSTER H\u00c4LFTE DR. 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