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Reflexionen Q4 2026

Was bewegt die Märkte und was bedeutet das für Anleger? In unserer Publikation „Reflexionen“ geben die Bergos-Experten Orientierung zu den wichtigsten Entwicklungen an den Kapitalmärkten.

Oktober 2026

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Liebe Leserinnen und Leser,

Die globalen Aktienmärkte zeigen sich trotz des anspruchsvolleren Umfelds weiterhin robust. Eine entscheidende Säule bleibt dabei das Gewinnwachstum. Besonders in den USA ist dieses im Vergleich zu den übrigen entwickelten Märkten beeindruckend. Für 2026 ist ein grosser Teil der Gewinnentwicklung bereits absehbar, entsprechend richtet sich der Blick zunehmend auf 2027. Auch hier sind die aktuellen Gewinnprognosen für die USA ausgesprochen positiv.

Unter der Oberfläche zeigen sich dennoch erste Veränderungen, die es zu beobachten gilt. Die Marktbreite hat abgenommen und die Entwicklung der wichtigsten Indizes wird zunehmend von wenigen grosskapitalisierten Unternehmen getragen. Die Leitindizes wirken dadurch stabiler, als es ein genauerer Blick in ihre Zusammensetzung vermuten lässt.

An der Zinsfront bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Der Anstieg der Renditen belastet insbesondere Obligationen mit längeren Laufzeiten, während auch Gold zuletzt weiter unter Druck geraten ist. Wir erwarten aktuell drei weitere Zinsschritte der US-Notenbank und damit etwas weniger Straffung, als derzeit an den volatilen Terminmärkten eingepreist ist. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass das aktuelle Zinsniveau bereits erhöht ist. Zusätzliche Zinsschritte könnten deshalb eine stärkere Wirkung auf die Wirtschaft entfalten, als dies in einem Umfeld nahe der Nullzinsgrenze der Fall wäre.

Unsere Markteinschätzung bleibt vor diesem Hintergrund konstruktiv, aber differenziert. Der Ansatz der Diversifikation gewinnt für uns dabei nochmals an Bedeutung. Regional bleiben wir unserem Übergewicht in US-Aktien treu. Gleichzeitig verbreitern wir das Engagement bewusst um US-Small- und Mid-Caps sowie Value-Aktien, um die starke Konzentration auf wenige grosse Technologieunternehmen zu reduzieren. Ein ähnlicher Ansatz gilt für die Schwellenländer, wo die Konzentration der breiten Marktindizes teilweise noch ausgeprägter ist. Die hohe Gewichtung südkoreanischer und taiwanesischer Technologiegiganten wird deshalb gezielt durch eine Beimischung brasilianischer Aktien diversifiziert.

Auch bei Gold bleiben wir trotz des aktuell ungünstigen Zinsumfelds konstruktiv. Die strukturelle Nachfrage aus den Schwellenländern, insbesondere aus China, bleibt hoch. Vor diesem Hintergrund fällt der jüngste Rückgang gemessen am erheblichen Gegenwind von der Zinsseite bislang vergleichsweise moderat aus.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!

Mit freundlichen Grüssen
Maximilian Hefele
Stellvertretender Chief Investment Officer

Kompass

Die Belastungen und Risiken für die Weltkonjunktur bleiben erheblich. Dennoch zeigt sich die Weltkonjunktur erstaunlich stabil. Der KI-Boom stützt die Konjunktur. Die globale Wirtschaftsleistung dürfte 2026 um rund 3,0 Prozent wachsen, was nur moderat weniger ist als in den Vorjahren. Allerdings fallen die Folgen des Energiepreisschocks zwischen Ländern und Regionen sehr unterschiedlich aus. Die US-Wirtschaft hat sich bisher sehr widerstandsfähig gezeigt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den USA ist gering. Dagegen mussten viele Länder im Mittleren Osten und in Asien deutliche Rückschläge hinnehmen. Neben einem anhaltend hohen Ölpreisniveau und der daraus resultierenden Gefahr von Inflation respektive strafferer Geldpolitik stellen auch die amerikanische Handelspolitik und die deutlich gestiegenen Zinsen auf Staatsanleihen substanzielle Risiken dar.

Die EZB hat auf die gestiegenen Inflationsrisiken mit zwei Zinserhöhungen von jeweils 25 Basispunkten im Juni und September reagiert. Mindestens eine weitere Zinserhöhung ist bis Jahresende wahrscheinlich. Die US-Notenbank Federal Reserve hat länger mit der geldpolitischen Straffung gewartet und den Leitzins erst im September um 25 Basispunkte erhöht. Auch in den USA erwarten wir angesichts der zu hohen Inflation eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende. Die Bank of England hat bisher auf Zeit gespielt und den Leitzins konstant gehalten. Sie gerät nun angesichts erneut anziehender Inflation unter Druck, die Geldpolitik im November zu straffen. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist die Lage vergleichsweise einfach, weil die Inflationsrate in der Schweiz mit 0,8 % komfortabel im Zielband von 0-2 % liegt. Insgesamt bleibt die Lage für die Zentralbanken mit Blick auf die Unsicherheiten über den Ölpreis schwierig.

Die ungeklärte Lage im Mittleren Osten und die Situation an der Strasse von Hormus bleiben ein erheblicher Risikofaktor. Die geopolitische Lage bleibt auch aufgrund des andauernden Krieges zwischen Russland und der Ukraine angespannt. Gezielte russische Provokationen gegenüber NATO-Ländern bergen das Risiko einer weiteren Eskalation. Im Hintergrund lauern weitere latente Risiken (u. a. China/Taiwan). Der Einsatz der Handelspolitik als geoökonomische Waffe bleibt ein Belastungsfaktor. Allerdings hält sich der Welthandel auch aufgrund neuer Handelsallianzen bisher recht gut und leistet damit einen positiven Beitrag zur Stabilisierung der Weltkonjunktur. Bei den US-Zwischenwahlen am 3. November werden die US-Demokraten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen. Die Demokraten könnten auch die Mehrheit im Senat gewinnen, was die Handlungsfähigkeit von Präsident Trump deutlich einschränken würde.

Volkswirtschaft

Robuste Konjunktur in risikoreichem Umfeld

Trotz vieler Belastungsfaktoren präsentiert sich die Weltkonjunktur noch immer erstaunlich robust. Zuletzt gab es sogar mehrere positive Überraschungen, sodass die Konjunkturprognosen 2026 für mehrere Länder aufwärts revidiert wurden. Gleichzeitig sind die Zentralbanken angesichts der hohen Inflationsraten unter Druck, die Geldpolitik zu straffen. Die grossen westlichen Zentralbanken dürften bis Jahresende jeweils eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte vornehmen. Nur für die Schweizerische Nationalbank besteht wegen moderater Inflation kein Handlungsdruck. Neben den geopolitischen Spannungen werden die hohen Staatsschulden zu einem konkreteren Risiko. Der Anstieg der Kapitalmarktzinsen stellt nach vielen Jahren unnatürlich niedriger Zinsen eine erhebliche Belastung für die Staatshaushalte dar. Derzeit rückt besonders Frankreich in den Fokus.

Aktien

Aktienmärkte trotzen dem Zinsanstieg

Die globalen Aktienmärkte wurden im dritten Quartal 2026 von starken Unternehmensgewinnen und dem KI-Boom getragen, obwohl Zinserhöhungen, US-Renditen über 5 % und ein Ölpreis über 100 US-Dollar belasten. Die US-Wirtschaft zeigt sich nach wie vor robust. Im S&P 500 wird 2026 ein Gewinnwachstum von 35 % erwartet, die Bewertungen bleiben jedoch anspruchsvoll, und die Marktbreite hat abgenommen. Kurzfristig sind die Märkte wegen abgekühlter Stimmung und der US-Zwischenwahlen anfälliger; Saisonalität und das typische Muster nach Zwischenwahlen sprechen aber für ein freundlicheres Jahresende. Die Positionierung bleibt vorerst neutral bei positivem mittelfristigem Ausblick. Bevorzugt bleiben US-Aktien, ergänzt durch Value-Werte, Small Caps und Brasilien.

Anleihen

Zinsneubewertung belohnt aktive Selektion

Der globale Zinsanstieg hat die Renditen auf Niveaus gehoben, die zuletzt vor Jahrzehnten zu sehen waren, während sich die Kreditspreads nach einer langen Phase der Resilienz ausgeweitet haben. Auch wenn ein Grossteil der Neubewertung möglicherweise bereits hinter uns liegt, dürften die Zinsen länger höher bleiben, und Angebotsschocks stellen weiterhin ein zusätzliches Risiko dar. Hoch verschuldete Unternehmen und Staaten ohne Fiskaldisziplin werden von Anleihensanlegern zunehmend gemieden. Wir empfehlen daher einen Fokus auf Qualität und auf das mittlere Laufzeitensegment von drei bis sieben Jahren in US-Dollar und Euro, wo eine weitere Straffung der Zentralbanken bereits weitgehend eingepreist erscheint.

Alternative Investments

Gold: Kurzfristiger Druck, langfristiges Potenzial

Nach einem aussergewöhnlichen Anstieg von 64 % im vergangenen Jahr hat sich Gold in diesem Jahr trotz steigender Zinsen gut behauptet. Die jüngste Zinserhöhung der Fed könnte zwar weitere Volatilität nach sich ziehen, an den strategischen Argumenten für Gold hat sich unseres Erachtens jedoch nichts geändert. Historisch hat sich Gold in den letzten vier geldpolitischen Straffungszyklen der Fed nach der ersten Zinserhöhung oft widerstandsfähiger gezeigt als in deren Vorfeld. Bedenken hinsichtlich des Zugangs zu Währungsreserven, Sanktionsrisiken und die steigende Staatsverschuldung erhöhen die Attraktivität eines Vermögenswerts, der keine Verbindlichkeit einer anderen Institution darstellt. Diese Faktoren dürften eine weitere Diversifikation begünstigen und die Rolle von Gold als Wertaufbewahrungsmittel stärken. Wir beurteilen das längerfristige Potenzial von Gold daher weiterhin positiv.

Währungen

Wie weit geht die US-Notenbank mit den Zinserhöhungen?

Den vom Markt erwarteten weiteren US-Zinserhöhungspfad halten wir mittlerweile für zu ambitioniert und rechnen mit weniger Zinserhöhungen. Als Gründe hierfür gelten niedrigere Energiekosten, Basiseffekte sowie ein möglicher Wunsch der US-Notenbank, einen Konflikt mit Donald Trump wegen einer zu restriktiven Geldpolitik zu vermeiden. Damit dürfte ein erheblicher Teil der erwarteten geldpolitischen Straffung bereits in der jüngsten Dollaraufwertung berücksichtigt sein. Sollten die Zinserwartungen im weiteren Jahresverlauf zurückgehen, könnte dies den US-Dollar erneut unter Druck setzen. Gleichzeitig sind die hohe US-Staatsverschuldung und ihr zuletzt rascher Anstieg strukturelle Risikofaktoren für das Vertrauen in den US-Dollar.