Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
seit dem Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar gab es, abgesehen von Liquidität, nur wenige sichere Häfen in den klassischen Anlageklassen. Neben Aktien haben auch Zinspapiere unter den steigenden Renditen gelitten, und Gold musste einen Grossteil der zuvor stattfindenden Kursexplosion wieder abgeben.
In der Korrekturphase zeigte sich jedoch, dass der US-Aktienmarkt erneut resilienter durch die Stressphasen kommt als der Rest der Welt. Auch der US-Dollar, der grundsätzlich unter dem Vertrauensverlust gegenüber der aktuellen US-Politik leidet, hat zur Stabilität in global ausgerichteten Portfolios beigetragen.
Es lässt sich auch beobachten, dass, sobald auch nur die leiseste Hoffnung auf eine Deeskalation des Iran-Konflikts aufkommt, Investoren schnell bereit sind, ihre Liquiditätsreserven am Markt zu platzieren. Dynamisch positive Kurssprünge, wie wir sie Ende März und Anfang April gesehen haben, sind somit jederzeit möglich.
Das Spannungsfeld für die Kapitalmarkteinordnung reicht daher von düsteren Stagflationsszenarien bis hin zu einer schnellen Beendigung des Konflikts, verbunden mit positiven Wirtschaftstrends. Dieses fast binäre Umfeld macht die Positionierung ausgesprochen anspruchsvoll.
Unser Ansatz setzt vor diesem Hintergrund auf eine noch breitere Diversifikation und vermeidet eine einseitige Positionierung auf extreme Szenarien. Auf der Aktienseite spielt hier die stilistische Verbreiterung von Wachstums- und Substanzaktien eine wichtige Rolle. Zur Reduktion von Konzentrationsrisiken, insbesondere im US-Aktienmarkt, ist die Beimischung von US-Small-Caps ebenfalls sinnvoll. Grundsätzlich überzeugen uns die Gewinnwachstumschancen von US-Aktien, die nach der Korrektur auf moderatere Bewertungskennzahlen treffen.
Im Bereich der Zinspapiere sind wir im Hochzinssegment sehr vorsichtig positioniert und fahren ein klares Untergewicht. Auch die Kreditrisikoprämien von Unternehmensanleihen mit besseren Bonitäten überzeugen uns derzeit nicht, weshalb wir uns hier ebenfalls vorsichtiger positionieren.
Trotz der aktuell hohen Volatilität sind wir weiterhin von Gold überzeugt, da wir eine anhaltend hohe Nachfrage aus den Schwellenländern erwarten. Für die zusätzliche Diversifikation in Multi-Asset-Portfolios erachten wir weiterhin Wandelanleihen als eine attraktive Ergänzung.
Somit bleiben wir auch in dieser herausfordernden Zeit unserer Investmentphilosophie treu und hinterfragen unsere Kapitalmarkteinschätzungen regelmässig und kritisch im Rahmen unseres Investmentprozesses. Wir agieren mit ruhiger Hand, und bei notwendigen Anpassungen verfolgen wir einen antizyklischen Ansatz. Dieses Vorgehen hat sich bereits in vergangenen Krisen bewährt und bestärkt uns in unserer aktuellen Positionierung – auch in diesen bewegten Zeiten.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!
Mit freundlichen Grüssen
Maximilian Hefele
Stellvertretender Chief Investment Officer

Kompass
In unserem Basisszenario gehen wir vorerst von einer militärischen Entspannung in den kommenden Wochen aus, sodass die Energiepreise nach und nach deutlich von ihren aktuellen Niveaus sinken. Ein schneller Rückgang auf die Niveaus vor Ausbruch des Iran-Krieges ist allerdings nicht wahrscheinlich, weil Öl- und Gasanlagen beschädigt wurden, deren Reparatur einige Zeit beanspruchen wird.
In diesem Szenario würden die Inflationsraten ab März, getrieben von den Energiepreisen, sowohl im Vormonatsvergleich als auch im Vorjahresvergleich spürbar ansteigen und bei Unternehmen und Verbrauchern für Verunsicherung sorgen. Die Kernrate der Inflation, bei der die schwankungsintensiven Energie- und Nahrungsmittelpreise nicht enthalten sind, bliebe aber weitgehend unverändert. In unserem Basisszenario sinken die Energiepreise, bevor sie sich in nennenswertem Umfang auf die Preise anderer Waren und Dienstleistungen ausbreiten und die Kerninflation spürbar nach oben treiben können. Nachdem die Energiepreise wieder gesunken sind, würden die Inflationsraten schnell wieder sinken. Die Verunsicherung würde sich wieder auflösen, der Kaufkraftverlust wäre überschaubar. Da die Inflationsrate aber ab März über einige Monate deutlich erhöht sein wird, dürfte die Teuerungsrate im Jahresdurchschnitt auf etwa 2,6 % gegenüber dem Vorjahr steigen. Ohne den Krieg wäre eine durchschnittliche Inflation von knapp zwei Prozent wahrscheinlich gewesen.
Die Zentralbanken könnten durch einen solchen kurzzeitigen Preisanstieg «hindurchschauen». Kommunikativ haben sie bereits auf die veränderte Situation reagiert und höhere Zinsen in Aussicht gestellt, falls sich die Inflation verfestigen sollte. Solange die mittel- und längerfristigen Inflationserwartungen in der Nähe der Zentralbankziele verankert bleiben, werden die Währungshüter unseres Erachtens die Geldpolitik aber nicht oder nur sehr moderat straffen, weil sie damit die Konjunktur in einer fragilen Situation schwächen würden. Die Zentralbanken warten deshalb die weitere Entwicklung im Mittleren Osten und an den Energiemärkten ab.
Mit jedem Tag steigt allerdings die Gefahr, dass sich der Krieg länger hinzieht und die Energiepreise entsprechend länger hoch bleiben. In einem solchen Risikoszenario würden die Schäden für die Konjunktur und die Preisstabilität deutlich höher ausfallen. Die konkreten Auswirkungen können dabei abhängig von Dauer und Intensität der Schäden sehr stark variieren.
Volkswirtschaft: Geopolitik überschattet alles
Die Geoökonomie dominiert den volkswirtschaftlichen Ausblick. Für den Konjunkturverlauf in diesem Jahr kommt es massgeblich auf die Dauer und die Intensität des Iran-Krieges an, denn davon hängt die Höhe der Energiepreise ab. In jedem Fall werden die Inflationsraten für einige Monate deutlich steigen. Bei einem schnellen Ende des Krieges und einem deutlichen Rückgang der Energiepreise könnte die Inflation aber wieder abklingen, bevor sich die Inflation nennenswert auf andere Waren und Dienstleistungen ausbreitet. In diesem Fall müssten die Zentralbanken nicht auf den Energiepreisschock reagieren. Zieht sich der Krieg aber über Monate hin und bleiben die Energiepreise über längere Zeit auf dem aktuellen Niveau, droht eine Stagflation oder gar eine Rezession. Für die Zentralbanken wäre dies eine missliche Situation, denn Zinserhöhungen würden zwar die Inflation eindämmen, doch gleichzeitig würden sie die ohnehin wenig dynamische Wirtschaft schwächen. Mehr denn je richten sich deshalb die Blicke nach Washington D.C. und auf Donald Trump: Wie und wann findet der amerikanische Präsident einen Weg, den Krieg im Mittleren Osten zu beenden?
Aktien: Aktienmärkte im Zeichen geopolitischer Unsicherheit
Geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise prägten das erste Quartal 2026. Nach einem starken Jahresauftakt belasteten der Iran-Konflikt, Zollstreitigkeiten und Inflationssorgen die Stimmung an den globalen Aktienmärkten. Der Ölpreis stieg um über 70% auf fast 120 US-Dollar je Barrel, wodurch der VIX über 30 kletterte und die Konsumentenstimmung unter Druck geriet. Europäische und asiatische Märkte litten zuletzt unter ihrer Energieabhängigkeit, während die USA dank ihrer Energieexporte relative Stärke zeigten. Die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten hängt wesentlich vom Verlauf des Nahost-Konflikts ab. Hohe Energiepreise bergen Stagflationsrisiken und erschweren die geldpolitische Steuerung. Das fundamentale Bild bleibt jedoch solide: Für den S&P wird auch in diesem Jahr ein zweistelliges Gewinnwachstum erwartet. Wir sehen derzeit keinen Beginn eines Bärenmarktes. Entsprechend bleiben wir neutral positioniert, setzen auf breite Diversifizierung und bevorzugen weiterhin US-Aktien. Indien haben wir verkauft und in breit diversifizierte Schwellenländeranlagen umgeschichtet.
Anleihen: Von Resilienz zu Verunsicherung: Bondmärkte im Schatten geopolitischer Spannungen
Wir begannen das Jahr in einem Umfeld, das sich bemerkenswert widerstandsfähig anfühlte und sich viele Zentralbanken primär auf der «letzten Meile» im Kampf gegen die Inflation beschäftigten. Die gemeinsamen Militärschläge der USA und Israels gegen den Iran, und die daraus resultierende Blockade der Strasse von Hormus, haben viele auf dem falschen Fuss erwischt. Die Marktreaktion an den Bondmärkten war entsprechend heftig. Die kurzfristigen Inflationserwartungen sind stark angestiegen, und Anleihen wurden auf breiter Front abverkauft. Die Resilienz, die den Jahresbeginn prägte, wurde durch ein Regime hoher Volatilität und steigender Kapitalkosten ersetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bekämpfung der Inflation durch höhere Leitzinsen in der Eurozone oder eine Phase stabil hoher Leitzinsen in den USA erfolgt, ist spürbar angestiegen. In diesem Umfeld sehen wir einen guten Grund, uns defensiver auszurichten und sind bereit, Opportunitäten zu nutzen, falls eine diplomatische Lösung wahrscheinlicher wird und sich die ökonomischen Auswirkungen sowie die damit verbundenen idiosynkratischen Risiken besser kalkulieren lassen.
Alternative Investments: Gold: Wenn die Rolle als sicherer Hafen kurzfristig ins Stocken gerät
Gold startete volatil ins Jahr 2026. Der Preis legte zunächst deutlich zu, bevor eine Korrektur einsetzte. Auslöser waren Liquiditätsengpässe und hohe Positionierungen, die breite Verkaufswellen auslösten. Gold wurde dabei verstärkt als schnelle Liquiditätsquelle genutzt. Zusätzlichen Druck brachte ein Energieschock im Zuge des US-Israel-Iran-Konflikts, der Inflationssorgen schürte und die Erwartungen an einen restriktiveren Kurs der Zentralbanken verstärkte. In der Folge belasteten steigende Realzinsen und ein stärkerer US-Dollar den Goldpreis zusätzlich.
Kurzfristig hat der Rücksetzer das technische Bild eingetrübt. Der übergeordnete langfristige Trend bleibt jedoch intakt. Die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken, fortbestehende geopolitische Risiken und insbesondere die rasant steigende globale Verschuldung stützen weiterhin die Rolle von Gold als strategische Wertanlage. Wir bleiben daher konstruktiv positioniert, halten an einer Übergewichtung fest und erwarten, dass sich der langfristige Aufwärtstrend trotz erhöhter Volatilität fortsetzt.
Währungen: Dauer des Iran-Krieges bestimmt die weitere Entwicklung an den Devisenmärkten
Der US-Dollar profitierte zuletzt von erhöhter Risikoaversion und steigenden Energiepreisen, begünstigt durch die Rolle der USA als Nettoenergieexporteur. Mit einer erwarteten Entspannung der militärischen Lage in den kommenden Wochen und allmählich sinkenden Energiepreisen dürfte sich die aktuelle Stärke jedoch als vorübergehend erweisen. Zunehmend dürften wieder Donald Trumps unberechenbare Politik und Zweifel an der Unabhängigkeit von US-Institutionen in den Fokus rücken und das Vertrauen in den Dollar belasten.
Der Schweizer Franken bestätigte im ersten Quartal 2026 seine Funktion als sicherer Hafen und dürfte angesichts anhaltender Unsicherheiten auch zukünftig gefragt bleiben. Gleichzeitig belastet die Stärke des Frankens jedoch zunehmend die exportorientierte Wirtschaft, weshalb die Schweizerische Nationalbank mit vermehrten Interventionen eine weitere Aufwertung begrenzen dürfte.
Die Märkte rechnen mit einer deutlichen Kursänderung der Bank of England, doch ihre zukünftige geldpolitische Ausrichtung bleibt sehr ungewiss. Grossbritannien kämpfte bereits ohne den Energiepreissprung mit einer hartnäckigen Inflation. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Dynamik insgesamt sehr verhalten. Vor diesem Hintergrund erwarten wir in den kommenden Monaten weder eine grössere Auf- noch Abwertung des Pfundes.